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Dienstag, Mittwoch, 5./6. Jänner 1999, Seite 8 |
Chronik |
Klagenfurt - Das Kärntner Zollfeld - an der Bernsteinstraße gelegen, die von Afrika über Spanien, Norditalien ins Baltikum führte - war einst ein bedeutendes Macht- und Handelszentrum. Heute liegt Virunum, die Hauptstadt der römischen Provinz Noricum großteils unter Wald und Ackerland verborgen. Ein einzigartiges EU-Raphael-Projekt ermöglicht es nun, nach dem Magdalensberg einen weiteren Teil der keltisch-römischen Frühgeschichte Kärntens dem allgemeinen Vergessen zu entreißen.
Acht Langzeitarbeitslose graben im Rahmen des Projekts unter der Anleitung der Archäologin Renate Jernej nach den antiken Wurzeln ihrer Heimat und haben bereits Sensationelles zutage gefördert. Etwa im noch kaum erforschten Amphitheater im östlichen Teil der Stadt, das gegen Ende des ersten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung erbaut wurde. Das geht aus einer Inschriftentafel hervor, die im Sommer 1998 gefunden wurde. Darauf hielt der römische "Bürgermeister" der Stadt Virunum, Sextus Sabineus Maximus, für die Nachwelt fest, daß er das Amphitheater aus eigener Tasche renovieren und mit zwei Toren versehen ließ. Jernej: "In ganz Noricum gab es nur zwei Amphitheater, eines hier und ein weiteres in Flavia Solva, in denen Gladiatorenwettkämpfe und Tierhatzen stattfanden."
Projekt-Initiator ist der Maria Saaler Verein "Archäologiepark Virunum", der auch die EU von der weitreichenden Bedeutung der Hauptstadt Noricums überzeugen konnte. Die EU beteiligt sich mit rund zwei Millionen Schilling (145.345 ). Projektleiter Michael Kempf: "43 von 500 europäischen Projekten wurden bewilligt, für Österreich überhaupt nur zwei." Internationale Kooperationspartner sind die Società Friulana di Archeologia Udine, die Universitäten Cádiz (Spanien) und Warschau (Polen) sowie die Institute für Keramikforschung in Venedig und für Chromatographie in Rom.
Virtueller Kulturführer
Bei dem grenzüberschreitenden Projekt geht es um die Erforschung der internationalen Handelswege unter besonderer Berücksichtigung Virunums. Als Ergebnis soll neben der wissenschaftlichen Aufarbeitung ein multimedial aufbereiteter "virtueller Kulturführer" im Internet zu den archäologischen Stätten entlang der antiken Handelswege entstehen.
Am meisten freut die privaten Initiatoren jedoch die Beteiligung des Kärntner Arbeitsmarktservice, das die gesamten Personalkosten übernommen hat und damit Langzeitarbeitslosen aus dem Raum Maria Saal eine Chance gibt. "Zuerst waren wir skeptisch, aber das Ergebnis ist großartig. Die Leute sind mit Feuereifer dabei. Sechs Monate wird gegraben, die andere Hälfte des Jahres wissenschaftlich aufgearbeitet", erzählt Grabungsleiterin Jernej.
Auch die Landwirte Robert Toff und Siegfried Dörfler, unter deren Acker- und Waldflächen der Großteil Virunums verborgen liegt, sind begeistert. Der Verein hat rund sechs Hektar der Ackerflächen langfristig gepachtet und entschädigt die Bauern so für ihre Ertragsverluste. Bis zum Jahr 2000 soll das EU-Projekt abgeschlossen sein. Für die Zeit danach gibt es bereits weitere Projekte, etwa die Freilegung des antiken Stadtzentrums oder die Errichtung eines eigenen Museums, in dem die Funde ausgestellt werden.
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