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Experiments - DerStandard

(These articles were kindly provided by the Daily Austrian Newspaper Der Standard)


Weinend am Telefon DER STANDARD Mittwoch / Donnerstag, 12. / 13. Mai 1999, Seite 14 Kultur Weinend am Telefon Zum Tod von US-Multitalent Shel Silverstein ("Sylvia's Mother") New York - Schon allein mit den beiden durch Johnny Cash bekannt gemachten Songs A Boy Named Sue und vor allem dem erschuetternden 25 Minutes To Go schrieb Shel Silverstein Musikgeschichte. Bei letzterem handelt es sich um nackten Wahnsinn auf Eineinhalb-Akkord-Basis, der die letzten Minuten eines zum Tode auf dem elektrischen Stuhl Verurteilten schildert: "Der Priester sagt, bereue Deine Suenden. Ich sage, nein, auf keinen Fall! Meine Suenden sind alles, was mir geblieben ist! No more minute to..." Haertester Todes-Country. Zu Weltruhm allerdings gelangte Shel Silverstein als Songschreiber und zeitweiliges Mitglied der anarchistischen Country-Pop-Klamaukgruppe Dr. Hook And The Medicine Show. Der Telefonseelsorglosigkeits- und Drei-komma-fuenf-Promille-Weinerlichkeitsanteil-Hit Sylvia's Mother aus 1971 wird heute noch weltweit gesungen, wenn es darum geht, verlassen zu werden. Dass Shel Silverstein gerade in seiner Hippie-Phase eindeutig stimulierende, aber frecherweise illegale Mittel zur schreiberischen Staerkung verwendete, belegen Songs wie Cover Of The Rolling Stone (ja, genau, dieses Lied). Weitere Nennungen lauten: I Got Stoned and I missed It oder Don't Give A Dose To The One You Love Most - oder auch diverse eher sehr schlecht verkaufende Soloalben Silversteins, die Titel tragen wie: "Ich bin so gut, ich muss damit nicht einmal prahlen". Die Lieder waren von schillernden Figuren bevoelkert, die Namen trugen wie Cocaine Cathy, Penicillin-Penny oder Gertrude the Groupie. Insgesamt also ging es in Songs von Shel Silverstein darum, "Werbung fuers Durchknallen zu machen", wie Zeitchronist Lester Bangs schrieb. Silverstein startete in den 50er Jahren als Cartoonist fuer den Playboy. Spaeter trieb er sich mit den Beatniks und den Hippies herum - und wurde schliesslich im "reifen Alter" zum millionenschweren Kinderbuchautor. Titel wie Raufgefallen oder Lafcadio - Ein Loewe schiesst zurueck liegen in deutscher Uebersetzung von Harry Rowohlt vor. Shel Silverstein ist am Montag in New York gestorben. Er wurde 66 Jahre alt. (schach) © DER STANDARD, 12. / 13. Mai 1999 Automatically processed by COMLAB NewsBench


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